10.05.2011 | Recht

US-Senat veröffentlicht finalen Bericht zur Entstehung der Finanzkrise

Am 13. April hat der US-Senat die Ergebnisse der Untersuchung zur Finanzkrise veröffentlicht. Der 650 Seiten umfassende Bericht stellt die folgenden vier Kriterien als relevant für die Krisenentstehung heraus: High Risk Lending, Regulatory Failures, Inflated Credit Ratings und High Risk, Poor Quality Financial Products. Diese werden jeweils anhand einer Fallstudie erläutert:

  1. High Risk Lending: Case Study of Washington Mutual Bank
    Als erste Ursache der Krise wurde die exzessive Kreditvergabe identifiziert, welche am Beispiel der Washington Mutual Bank erläutert wird. Diese habe zwischen 2003-2006 die Allokation in Risikokrediten von 19 %auf über 50 % erhöht. Diese wurden über Mortgage-Backed Securities (MBS) an Investoren weiterverkauft. Im Fall der Washington Mutual vermerkt der Bericht ausdrücklich betrügerisches Verhalten gegenüber Investoren, bewusste Verstöße des Personals gegen interne Standards und Versagen der Kontrollmechanismen.

  2. Regulatory Failures: Case Study of the Office of Thrift
    Im zweiten Abschnitt wird das Versäumen der für Washington Mutual zuständigen Aufsichtsbehörde, Office of Thrift Supervision (OTS), angemahnt. Diese habe zwischen 2004 und 2008 über 500 Defizite bei Kreditvergabe, Risikomanagement und Einschätzungen der Bank festgestellt, sei jedoch niemals aktiv eingeschritten. Als die Ausfälle der MBS sich häuften, verloren Investoren mehrere hundert Milliarden US-Dollar, wodurch die Finanzkrise ihren Anfang nahm.

  3. Inflated Credit Ratings: Case Study of Moody's and Standard & Poor's
    Die beiden größten Ratingagenturen der USA leisteten durch die inflationäre Vergabe von Investment-Grade Ratings für MBS und wieder verbriefte Collateralized Debt Obligations (CDOs) ebenfalls einen signifikanten Beitrag zur Entstehung der Krise. Allein von Long Beach, einer Tochtergesellschaft der Washington Mutual, fielen alle 75 mit AAA Rating ausgestatteten MBS aus. Als die Krise begann, wurde der Vertrauensverlust in Ratings und die Stabilität des Finanzsystems durch massenhafte Downgrades beschleunigt und verstärkt. Die Gründe für die inflationäre Vergabe von Top-Ratings lagen in dem Umstand, dass Emittenten die Agenturen für Ratings bezahlen. Diese lieferten daher die gewünschten Ratings ohne eine gewissenhafte Prüfung der Kredite.

  4. Investment Bank Abuses: Case Study of Goldman Sachs and Deutsche Bank
    Anhand der Beispiele zwei der größten Investmentbanken der Welt, wird das Verhalten des Bankensystems scharf kritisiert. Nachdem die Einschätzungen der Bank zum US-Immobilienmarkt ins Negative drehten, verkaufte Goldman Sachs ihre Positionen, teilweise an eigene Klienten und ging gleichzeitig, oft ohne Transparenz, selbst eine Short-Position auf den Markt ein. Dies führte zu erheblichen Verlusten bei den Investoren.
    Im Falle der Deutschen Bank wird ebenfalls der Vertrieb an Investoren verurteilt, obwohl interne Stimmen der Bank den entsprechenden Markt sehr kritisch sahen. Dies wurde Investoren jedoch nicht mitgeteilt. Die Investmentbanken haben durch die Verbreitung der Wertpapiere mit niedriger Qualität wesentlich zum Einbruch des Finanzsystems beigetragen.


Der Bericht schließt mit einer Reihe von Empfehlungen für alle vier Case Studies, die eine zukünftige Wiederholung ausschließen sollen. Bisher wurden allerdings kaum Veränderungen durchgesetzt. Die USA blocken derzeit die Einführung von Basel III ab dem Jahr 2013.

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