Solvency-II-Einführung vor erneuter Verschiebung
Nach offiziellem Stand wird am 1. Januar 2014 die neue Solvency-II-Richtlinie verbindlich in Kraft treten. Bis 12. Juli diesen Jahres soll der finale Entwurf der Omnibus-II-Richtlinie, auf deren Grundlage Solvency II umgesetzt wird, fertiggestellt sein. Es mehren sich jedoch die Anzeichen für eine erneute Verschiebung der Solvency-Einführung. Im Oktober vergangenen Jahres hat Gabriel Bernadino, Präsident der Europäischen Aufsichtsbehörde für das Versicherungswesen und die betriebliche Altersversorgung (EIOPA), die mit der technischen Umsetzung von Solvency II beauftragt ist, verlauten lassen, im besten Fall sei eine Einführung 2015 oder 2016 möglich und hat die EU Kommission daraufhin auch offiziell um mehr Zeit und einen realistischeren Zeitplan für die Umsetzung gebeten. Die Forderung wurde von der Kommission jedoch zunächst abgelehnt, mit dem Hinweis die EIOPA möge sich auf eine "schnelle Implementierung" der qualitativen Säule (Pillar II) konzentrieren. Vergangene Woche machte sich nun auch Bafin-Chefin Elke König dafür stark, einen angemessenen Zeitplan vorzulegen und nannte einen Start zum 1. Januar 2017 realistisch.
Hauptgrund für die Verzögerungen sind die ungewissen Auswirkungen auf die Asset-Allokation der Versicherungen. Insbesondere deutsche Versicherer sehen die langjährigen Garantien ihrer Lebensversicherungen in Gefahr. Große Portfolio-Umschichtungen institutioneller Investoren können zu starken Verwerfungen an den Märkten führen. Zahlreiche Auswirkungsstudien kommen dabei zu unterschiedlichen Ergebnissen. Ein Forschungspapier des International Center for Insurance Regulation (ICIR) in Frankfurt, das im Juli letzten Jahres veröffentlicht wurde, kommt etwa zu dem Ergebnis, dass nicht mit einer signifikanten Anpassung der Investment-Strategien im Versicherungssektor zu rechnen ist. Der Autor Dirk Höring schlussfolgert, dass durch die überarbeitete Behandlung des Marktrisikos in Solvency II keine grundlegende Reallokation des durchschnittlichen europäischen Versicherers zu erwarten ist. Der Restrukturierungeffekt durch die Krisen seit 2008 dürfte weitaus größere Auswirkungen auf die Asset-Allokation haben, heißt es in der Studie.
Quelle: Höring (2012)
Eine Studie von Edhec von August letzten Jahres kommt dagegen zu dem Schluss, dass das Solvency-II-Standardmodell kurzlaufende Anleihen bevorzugt und daher mit einer grundlegenden Verhaltensänderung in der Kapitalanlagepolitik zu rechnen sei. Für Anleihen ohne Investment-Grade Rating besteht zudem die Gefahr ganz aus dem Anlageuniversum zu fallen.