Schulungsbedarf zum Thema Hedge-Fonds steigt
Die Kundenberater in den Bankfilialen sind nach einem Bericht der "Financial Times Deutschland" mit dem Thema Hedge-Fonds oft noch überfordert. Wenn überhaupt, kennen sie bislang nur die Grundzüge der verschiedenen Anlagestrategien. "Es reicht nicht aus, wenn die Vertriebsleute nur Verkaufsprospekte von Hedge-Fonds in den Händen halten", sagt Rolf Dreiseidler, Geschäftsstellenleiter des "Bundesverbands Alternative Investments" (BAI). Die Berater müssten auch in der Lage sein, den Kunden die komplexen Strategien erklären zu können. Hinzu kommt: "Der Vertrieb ist noch nicht weit genug."
Die Deutsche-Bank-Tochter DWS sowie die Fondsgesellschaften "Union Investment" und "Pioneer Investment" setzen für ihre in Deutschland zugelassenen Dach-Hedge-Fonds auf Schulungen, um den Missstand zu beheben. Die DWS hat Anfang Mai begonnen, Präsentationen für die Wertpapierspezialisten ihrer Vertriebspartner zu organisieren. Zu jeder Veranstaltung kommen zwischen 30 und 50 Teilnehmer. Die geben ihr Wissen anschließend an die Berater in den Banken weiter. "Die Berater sollen die wichtigen Strategien erklären können, aber nicht zu Hedge-Fonds-Spezialisten mutieren", sagt Helge Staack, DWS-Produktmanager Hedge-Fonds. Wichtig sei, dass sie den Fonds mit den Produkten der Konkurrenz vergleichen könnten. "Ich weiß nicht, wie ein Auto funktioniert, aber ich kenne seine Eigenschaften - so sollte es den Kunden von Hedge-Fonds nach der Beratung gehen", sagt Staack.
Bei "Pioneer Investment" sind die Schulungen lediglich Teil einer großen Informationsstrategie: Die Fondsgesellschaft hat eine Menge an Informationsmaterialien erarbeitet, eine Präsentationstour durch mehrere Städte veranstaltet sowie ein Video erstellt, das ein privater Investor verstehen könne, sagt Michael Finkbeiner von "Pioneer Investment".
Die Union Investment bereitet ihre Vertriebspartner bereits seit einem Jahr auf den Zeitpunkt vor, zu dem die deutschen Behörden die Produkte ihrer Luxemburger Tochter Unico zulassen. Oliver Bauer, Marketingleiter der Unico, sieht eine "große Nachfrage" nach Informationen. "Die Berater müssen wissen, wo die Chancen und Risiken für die Kunden liegen."
Die private "European Business School" (EBS) im hessischen Oestrich-Winkel hat inzwischen das fehlende Hedge-Fonds-Wissen als Marktlücke erkannt. Zusammen mit dem BAI bietet die EBS einen siebentägigen Lehrgang zum Hedge-Fonds-Berater an. Nicht nur die Fondsgesellschaften greifen inzwischen gern auf die Unterstützung zurück, auch die BaFin schickte gleich vier Mitarbeiter zur Fortbildung an die Hochschule.
Infos unter:
http://www.ebs-finanzakademie.de/hedgefonds/index.cfm?rubt=C&rubs=0 !!alte Verlinkung!!zurück