Schuldenkrise könnte Eurozone langfristig stärken
Eine umfangreiche Studie der Berenberg Bank und des Lisbon Council hat sich mit den langfristigen Auswirkungen der Krise auf die Eurozone befasst. Demnach könnte die Eurozone aus ihrer derzeitigen Krise stabiler und stärker als je zuvor herausgehen. Der am 15. November veröffentlichte "2011 Euro Plus Monitor" untersucht detailliert die aktuelle Wirtschaftslage und den Umgang mit den aktuellen Herausforderungen in den 17 Mitgliedstaaten der Eurozone. Das Autorenteam um Holger Schmieding entwickelt dazu zwei Indikatoren. In den Overall Health Indicator fließen ausschließlich fundamentale Daten ein, etwa die Höhe der Staatsverschuldung oder die Arbeitslosenquote. Um die Dynamik in den einzelnen Euro-Staaten abzubilden, wird darüber hinaus der Adjustment Progress Indicator berechnet. Hier werden das Tempo und die Effektivität des Anpassungsvorgangs der Volkswirtschaft abgebildet. Neben Kennzahlen für das öffentliche Haushaltsbudget, fließen auch reale Lohnkosten oder die Entwicklung der Leistungsbilanz mit ein.
Quelle: Berenberg Bank, Lisbon Council (2011)
Eine hohe Score im Adjustment Progress deutet auf einen erfolgreichen Reformprozess hin. Niedrige Scores hingegen können in zweierlei Hinsicht interpretiert werden. Einerseits könnte ein mangelnder Anpassungswille der Grund sein, andererseits ist eine Anpassung vielleicht gar nicht notwendig. So liegt Deutschland im Overall Health auf Rang 3 und hat damit insgesamt wenig Anpassungsbedarf, was Rang 16 im Adjustment Progress rechtfertigt. Frankreich dagegen belegt Rang 13 im Overall Health und liegt im Adjustment Progress auf Rang 15, was die geringe Reformbereitschaft der Franzosen wiederspiegelt. Die PIGS-Staaten belegen allesamt Plätze in der oberen Hälfte des Adjustment Progress, was die Autoren zuversichtlich stimmt. Sie sind darüber hinaus nicht der Meinung das ein Austritt aus der Eurozone für Griechenland, Portugal oder Spanien der einzige Schritt zur Wiederherstellung ihrer Wettbewerbsfähigkeit ist. Stattdessen würde die Krise Peripherie und Kern der Eurozone zurück auf den Konvergenzpfad führen, da notwendige Struktur- und Haushaltsreformen nun endlich in Angriff genommen werden.