Realwirtschaftliche Effekte von Wasserrisiken in Deutschland
Ein wissenschaftliches Paper untersucht, wie Unternehmen auf Lieferkettenstörungen durch niedrige Wasserstände reagieren, die in Europa zunehmend an Bedeutung gewinnen. Besonders einschneidend war 2018 das Niedrigwasser am Rhein, als zwischen Juli und Dezember viele Pegel fast unterunterbrochen unterhalb der Navigationsgrenzen lagen. Obwohl die Binnenschifffahrt nur 4,7 % des Gütervolumens in Deutschland bewegt, ist sie für Rohstoffe wie Kohle, Ölprodukte, Chemikalien, Metallerze und Agrarwaren zentral, zeigt die Analyse von Saskia Meuchelböck (Kiel Institut für Weltwirtschaft).

Quelle: IfW Kiel
Auf gesamtwirtschaftlicher Ebene sank die industrielle Produktion um etwa ein Prozent pro Monat mit anhaltendem Niedrigwasser. Direkt über die Binnenschifffahrt abgewickelte Exporte verringerten sich im zweiten Halbjahr 2018 um 18,5 % im Wert und 21,6 % in der Menge. Auch Importe waren stark betroffen: Rückgänge von 12,7 % im Wert und 15,1 % in der Menge, dazu weniger Produkte und Herkunftsländer. Besonders anfällig zeigten sich Chemie- und Grundstoffindustrien.
Unternehmen reagierten mit der Diversifizierung der Transportwege. Die Wahrscheinlichkeit, auf Schiene, Straße oder See auszuweichen, stieg bei stark abhängigen Produkten um rund 8 Prozentpunkte. Vor allem kleinere Firmen erwiesen sich als flexibel und steigerten ihre Nutzung alternativer Transportwege um über 5 %. Ergänzend wurden Sicherheitsbestände aufgebaut und Investitionen in alternative Logistiklösungen getätigt.

Quelle: IfW Kiel
Die Analyse macht deutlich, dass kurzfristige Maßnahmen nur begrenzt wirken, da strukturelle Anpassungen teuer und langwierig sind. Niedrigwasser verschärft bestehende Engpässe und zwingt Unternehmen, über reine Kostenoptimierung hinauszugehen. Resilienzstrategien sowie eine engere Kooperation mit Politik und Infrastrukturbetreibern gewinnen daher an Bedeutung.
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