Ratingagenturen bevorzugen große Emittenten bei ihren Bewertungen
Die drei großen Ratingagenturen, S&P, Moody's und Fitch, sind während der Finanzkrise stark in die Kritik geraten. Auslöser waren massenhafte Ausfälle und Downgrades von strukturierten Immobilienfinanzierungen, die vorher mit Bestnoten bewertet worden waren. Besonders die Interessenkonflikte, die aus der Bezahlung der Agenturen durch die Emittenten entstehen, rückten in den Fokus. Eine Mitte Juli von Mitarbeitern der University of Georgia und dem Boston College veröffentlichte wissenschaftliche Arbeit untersucht die Vergabe von Ratings für Mortgage-Backed Securities (MBS) anhand der Kriterien Größe des Emittenten, Position im Konjunkturzyklus und Yield. Sie kommen zu dem Ergebnis, dass große Emittenten systematisch bessere Ratings erhalten haben.
Quelle: He, Qian, Strahan (2011)
Die anhand des Marktanteils bestimmte Größe des Emittenten hat demnach signifikant positiven Einfluss auf das Rating, obwohl die bewerteten Tranchen oft höhere Yields auswiesen, als die kleinerer Emittenten. Die Autoren gehen anhand ihrer Ergebnisse davon aus, dass Ratingagenturen ihre Großkunden bevorzugen. Auch die Marktphase hat Bedeutung. Die Vergabe von Top-Ratings war in der Boomphase des Marktes deutlich ausgeprägter. Dies wird als Hinweis der ausgeübten Verhandlungsmacht der Emittenten verstanden.
Weitere Ergebnisse weisen auf eine teilweise Antizipation dieser Umstände auf Seiten der Investoren hin. So werden mehrere Ratings bspw. durch niedrigere Risikoaufschläge "belohnt".
Quelle: He, Qian, Strahan (2011)