15.05.2013 | Research

Prozyklisches Anlageverhalten von regulierten Investoren

Eine Forschungsarbeit der Universität Harvard untersucht das Anlageverhalten von institutionellen Investoren in Unternehmensanleihen in den USA. Bo Becker und Victoria Ivashina weisen "Reaching for Yield" bei regulierten Anlegern nach, deren Ziel-Exposure an Ratings gebunden ist: innerhalb der Rating-Klassen werden die Anleihen mit dem höchsten Yield oder dem größten CDS-Spread bevorzugt. Dieses Verhalten ist insbesondere in Niedrigzinsphasen besonders ausgeprägt. Investoren suchen zusätzliche Risikoprämien durch die gezielte Übergewichtung riskanter Anleihen innerhalb der bestimmten Rating-Kategorien. Es gibt Belege, dass dieses Verhalten prozyklisch ist und den Kreditzyklus verstärkt.


Quelle: Becker, Ivashina (2013)

Die beiden Autoren untersuchen dazu die Anleiheportfolios von Versicherungen sowie Investment- und Pensionsfonds in den USA zwischen 2004 und 2010. Entsprechend ihrem Risikokapital bevorzugen Versicherungen Anleihen mit dem höchsten Rating. Innerhalb der Klassen kehrt sich der Zusammenhang jedoch um. Ordnet man die Anleihen derselben Risikoklasse nach Rendite oder ihrem CDS-Spread, steigt der Anteil von Versicherungen unter den Investoren dieser Titel.


Quelle: Becker, Ivashina (2013)

Gemessen am Yield liegt im obersten Quartil der Investorenanteil von Versicherungen bei 86 %, im untersten Quartil beträgt er noch 63 %. Entsprechend sieht die Verteilung für CDS-Spreads aus. Die Autoren schlussfolgern, dass das gezielte Bevorzugen von überdurchschnittlich riskanten Titeln prozyklisch auf das Kreditangebot wirkt und zu Verzerrungen auf dem Primärmarkt führt. Darüber hinaus steigt durch die zusätzliche Risikoaufnahme auch das systemische Risiko regulierter institutioneller Portfolios.

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