Probleme und Lösungen steigender öffentlicher Schuldenquoten
Die Stabilisierung der Staatsverschuldung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften erscheint grundsätzlich erreichbar, erfordert jedoch in mehreren Ländern sehr umfangreiche fiskalische Anpassungen. Zu diesem Ergebnis kommt ein Working Paper von Bruegel, das die Schuldenentwicklung in den EU-Ländern sowie im Vereinigten Königreich und in den USA untersucht. Die Analyse basiert auf zwei empirischen Ansätzen: einer stochastischen Schuldennachhaltigkeitsanalyse und der Schätzung sogenannter Fiscal Reaction Functions, die messen, wie stark Regierungen ihre Primärsalden bei steigender Verschuldung anpassen.
Ausgangspunkt ist der starke Anstieg der öffentlichen Schulden während der COVID-19-Pandemie. Zwar gingen die Schuldenquoten infolge wirtschaftlicher Erholung und hoher Inflation zuletzt teilweise zurück, dennoch bleiben strukturelle Belastungen bestehen. Dazu zählen höhere Realzinsen, schwaches Wachstum in Europa, demografischer Wandel sowie steigende fiskalische Anforderungen etwa für Verteidigung oder Klimapolitik. Die Autoren berechnen zunächst den strukturellen Primärsaldo, der notwendig wäre, um die Schuldenquote langfristig mit einer Wahrscheinlichkeit von 70 % zu stabilisieren. In den meisten Ländern liegt dieser Schulden stabilisierende Primärsaldo unter 3 % des BIP und damit innerhalb historischer Erfahrungswerte. Dennoch ist der Weg dorthin in einigen Staaten mit erheblichen Konsolidierungsmaßnahmen verbunden. Besonders hoch ist der Anpassungsbedarf in den USA, Frankreich, dem Vereinigten Königreich und Polen. In diesen Ländern müsste sich der Primärsaldo um mehr als fünf Prozentpunkte des BIP verbessern.

Quelle: Darvas, Huertas, Welslau and Zettelmeyer (2025, Bruegel)
Die zweite Methode untersucht die historische Reaktion der Fiskalpolitik auf steigende Schuldenstände. Zwar zeigt sich weiterhin ein grundsätzlich positiver Zusammenhang – höhere Schulden führen im Durchschnitt zu stärkeren Primärsalden –, doch hat sich dieser Zusammenhang seit der globalen Finanzkrise deutlich abgeschwächt und ist in vielen Ländern statistisch kaum noch signifikant.
Insgesamt kommt die Studie zu dem Schluss, dass die Schuldenquoten zwar stabilisierbar sind, dies jedoch in mehreren Ländern einen deutlich stärkeren und länger anhaltenden fiskalischen Konsolidierungsprozess erfordern würde als derzeit erwartet. Länder mit besonders hohem Anpassungsbedarf könnten daher anfällig für Veränderungen der Marktstimmung bleiben.
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