06.12.2021 | Research

Probleme und Lösungen für Value Investing

Investments in Value-Aktien haben über weite Teile des 20. Jahrhunderts Überrenditen erzielen können, dies hat sich über die letzte Dekade umgekehrt. Bradford Cornell von der University of California und Aswath Damodaran von der New York University untersuchen in einem Research Paper die Gründe dieser Entwicklung und nennen notwendige Veränderungen, damit Value Investing wieder funktionieren kann. Es gibt fünf Erklärungsansätze, die die schwache Performance von Value in den letzten Jahren erklären sollen. Hierzu zählen, dass es sich nur um eine schwache Phase handele oder die Niedrigzinspolitik der Notenbanken verantwortlich zeichnet. Die Autoren sind hingegen überzeugt, dass Value Investing zu starr und dogmatisch geworden ist, zu abhängig von Daumenregeln, die in einer sich ändernden Welt nicht mehr funktionieren. Ein Beispiel ist der Fokus auf Dividendenauszahlungen, wohingegen jüngere Unternehmen stattdessen oftmals Aktienrückkäufe durchführen.


Quellen: Ken Frenchs Datenbank, Cornell, Damodaran, 2021,

Die Autoren empfehlen sechs Schritte. Erstens sollte klarer zwischen Wert und Preis unterschieden werden. Der Wert hängt ab von Cash Flows, Wachstum und Risiko, wohingegen der Preis von Stimmungen und Momentum beeinflusst wird. Zweitens sollten Value Investoren ihre Scheu vor Unsicherheit verlieren, die sie von Wachstumsunternehmen fernhält, die fehlbewertet sein müssen. Hierzu sollten die Anleger ihre Methoden erweitern und Entscheidungsbäume und Monte-Carlo-Simulationen nutzen. Drittens ist eine Sicherheitsmarge kein Risikomaß. Eine größere Sicherheitsmarge verhindert unter Umständen ein schlechtes Investment, aber ebenso besteht die Gefahr, dass ein gutes Investment nicht getätigt wird. Viertens sollten die Investoren nicht darauf hoffen, dass Verbesserungen bei der Rechnungslegung, etwa bei der Bewertung von R&D-Aufwendungen, das Problem lösen. Die Autoren betonen, dass der Wert künftigen Wachstums keine Angelegenheit der Rechnungslegung, sondern der Abschätzung ist. Fünftens wird geraten, Portfolios nicht zu stark zu konzentrieren, sondern lieber breiter zu diversifizieren. Zuletzt sollten sich die Investoren von der Erwartung lösen, dass sie automatisch für das Verfolgen einer „reinen Lehre“ das Anrecht auf eine Überrendite haben.


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