03.03.2020 | Research

Problematische ETF-Benchmarks

Adriana Robertson von der University of Toronto hat in einem Researchpaper das Universum der US-Aktienindizes untersucht, die Fonds als Benchmark dienen. Es zeigt sich, dass diese Indizes eine starke Heterogenität hinsichtlich der Exposures zu Sektoren, Unternehmensgrößen und anderen Style-Faktoren wie Value oder Momentum aufweisen. Manche basieren zudem auf proprietären und intransparenten Methodiken und sind für Externe nicht nachprüfbar. Dies ist dahingehend problematisch, dass in den USA seitens der Börsenaufsicht keine wesentlichen Einschränkungen für Fonds hinsichtlich der Benchmark-Wahl bestehen. Investoren können durch eine geschickte Benchmark-Wahl also zu einer falschen Einschätzung bei der Evaluierung der relativen Investment-Performance kommen.

Die Autorin gibt zu bedenken, dass bei passiven Investments, die einen Index replizieren, die Management-Entscheidung letztlich nur an eine dritte Partei, den Indexanbieter, ausgelagert wird. Gerade dann, wenn der Produktanbieter keine verbreitete Marktbenchmark, sondern einen selbst konstruierten Index nutzt, fällt die Unterscheidung von einem klassischen aktiv verwalteten Fonds schwer. Günstigere Gebühren durch den Wegfall der Lizenzkosten scheinen kein Grund für die Konstruktion und Verwendung eines eigenen Index als Referenz für ETFs zu sein. Im Mittel sind die Gesamtkosten dieser Produkte höher, während sowohl Management Fee als auch Turnover keinen Unterschied zu anderen Indexfonds aufweisen. Daraus schließt die Autorin, dass die Manager unter Umständen mangelnde Aufmerksamkeit der Anleger ausnutzen, die mehr auf das ETF-Label und die Management Fees als die Gesamtkosten schauen.

Tabelle 7 (Ausschnitt)

Quelle: Robertson, 2018

Es wird empfohlen, den Investoren mehr Informationen Methodiken und Berechnungsgrundlagen der verwendeten Indizes zur Verfügung zu stellen. Die Anleger wiederum müssten sich bewusster sein, dass die Index-Investing eine Auslagerung des Managements darstellt. Als Alternative für die Nutzung von Indizes als Performance Benchmark können auch die Performances von Konkurrenz-Produkten geeignet sein.
 

Absolut Research unterstützt institutionelle Investoren bei der Selektion von Asset Managern mit der monatlichen Publikation Absolut|ranking. Insgesamt umfassen die Absolut|rankings mehr als 17.000 institutionelle Publikumsfonds und ETFs, aufgeteilt in 34 Asset-Klassen und Marktsegmente und mehr als 170 Universen.

 

 

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "ETFs"
zurück