26.01.2026 | Märkte

Potenziale einer europäischen Freihandelsoffensive

Eine europäische Freihandelsoffensive könnte die negativen wirtschaftlichen Effekte einer verschärften US-Handelspolitik deutlich überkompensieren, zeigt eine Studie des Ifo-Instituts im November 2025. Neue EU-Handelsabkommen mit ausgewählten Partnerländern könnten das deutsche Bruttoinlandsprodukt demnach um 0,2 bis 0,5 Prozentpunkte erhöhen. Im Fokus stehen sieben Handelspartner, mit denen die EU derzeit verhandelt oder deren Abkommen noch nicht ratifiziert sind: die Mercosur-Staaten, Indien, Malaysia, Indonesien, Thailand, Australien und die Vereinigten Arabischen Emirate (P7). Diese Länder haben ihren Anteil am Welthandel seit Mitte der 1990er Jahre deutlich ausgeweitet, spielen für den deutschen Außenhandel bislang jedoch nur eine untergeordnete Rolle.


Quelle: ifo-Institut

Mithilfe des ifo-Handelsmodells werden mehrere Szenarien simuliert. Eine Fortsetzung der US-Zollpolitik (Trump 2.0) würde das deutsche BIP um rund 0,13 Prozentpunkte senken und die Exporte um etwa 1,3 Prozentpunkte reduzieren, wobei insbesondere Industriebranchen wie Maschinenbau und Automobilindustrie betroffen wären. Neue Handelsabkommen der EU mit den P7-Ländern könnten diese Verluste mehr als kompensieren. Bereits einfache Abkommen führen zu einem Anstieg der deutschen Exporte um rund 1,7 Prozentpunkte, tiefe Abkommen sogar um über 4 Prozentpunkte.


Quelle: ifo-Institut

Die positiven Effekte konzentrieren sich auf exportstarke Industriezweige, während in der Landwirtschaft Rückgänge simuliert werden, die jedoch auf weitreichenden Liberalisierungsannahmen beruhen. Ergänzt um ein EU-US-Handelsabkommen ergeben sich nochmals deutlich höhere Wohlfahrtsgewinne. Insgesamt unterstreicht die Studie die Bedeutung einer aktiven europäischen Handelspolitik für Diversifizierung, Resilienz und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.

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