Pensionsverpflichtungen drücken auf europäische Staatshaushalte
Erhebliche Eventualverbindlichkeiten aus Pensionsverpflichtungen deckt ein im Januar veröffentlichtes Research-Papier des Edhec Risk Institute in der Europäischen Union auf. Darin analysieren die Autoren, wie schwer künftige Verbindlichkeiten aus öffentlichen und privaten Pensionsplänen auf den Staatshaushalten lasten könnten. Auch wenn die Prognosen in hohem Maße von der unterstellten ökonomischen und demographischen Entwicklung abhängig sind, lassen sich gewisse Trends für die Kreditwürdigkeit erkennen, schreiben die Autoren. So zeigt sich, dass die Maastricht-konformen Staaten Schweden, Luxemburg und Dänemark verhältnismäßig große Pensionsverpflichtungen zu befürchten haben, während die Situation in den Krisenstaaten Spanien, Italien und Portugal relativ betrachtet besser ist.
Quelle: Edhec Risk Institute
Bei einem unterstellten Rechnungszins von 5 % erreicht das Volumen der Pensionsverpflichtungen bei 18 der 27 europäischen Staaten 100 % des BIP von 2010, in acht Ländern liegt es über 200 %. Im Szenario mit einem Diskontfaktor von 4 % stehen 12 Staaten einem Verpflichtungsvolumen von mehr als 200 % ihrer Jahreswirtschaftsleistung gegenüber. In sieben Staaten liegt das Volumen sogar über 400 %. Im niedrigsten Szenario mit 3 % Diskontierung liegen 11 Staaten bei Verpflichtungen über 400 %, sechs Länder sogar über 800 % des BIP. Im europäischen Vergleich schneidet Deutschland insgesamt relativ positiv ab.
Quelle: Edhec Risk Institute
Investoren in Staatsanleihen sollten bei der Bewertung der öffentlichen Schuldnerqualität insbesondere bei langfristigen Anlagen die Pensionsverpflichtungen also keineswegs außer Acht lassen, schließen die Autoren. Auch für den europäischen Stabilitätspakt sehen die Autoren Verbesserungsmöglichkeiten hinsichtlich der immensen Pensionslast vieler Staaten.