Multi-Beta schlägt Smart-Beta
Noël Amenc, Felix Goltz und Antoine Thabault von ERI Scientific Beta, einer Initiative des EDHEC-Risk Institutes, zeigen in einem Forschungspapier die Vorteile eines Multi-Faktor-Ansatz gegenüber klassischen kapitalisierungsgewichteten Aktien-Portfolios und der Implementierung einzelner Smart-Beta-Faktoren auf. Hierzu verwenden die Autoren die vier verbreiteten Faktoren Value, Momentum, LowVola und Size, die sie mit zwei verschiedenen Methoden in einem Index gewichten. Der erste Ansatz umfasst eine Gleichgewichtung der vier Faktoren (EW), das zweite Verfahren zielt auf die Gleichgewichtung der jeweiligen Anteile am Tracking Error Risk (ERC). Hintergrund der Untersuchung ist die Beobachtung, dass die Zyklen der unterschiedlichen Faktoren sich unterscheiden, diese also zu unterschiedlichen Marktphasen ihre jeweilige Outperformance erzielen.
Quelle: Amenc, Goltz, Thabault (2014)
Die sich ergebenden Korrelationen der Faktoren sind im Zeitverlauf deutlich niedriger als 1, was sowohl in Bullen- als auch in Bärenmärkten Bestand hat. Eine Kombination der Einzelfaktoren in einem gemeinsamen Index soll daher den Tracking Error des Gesamtportfolios reduzieren. Beide Multi-Beta Multi-Strategy Indizes (EW und ERC) erzielen bei einer geringeren Volatilität höhere Renditen als die kapitalisierungsgewichtete Benchmark. Gleichzeitig ist die Wahrscheinlichkeit, dass der Multi-Faktor-Index seine einzelnen Komponenten outperformt, besonders über kürzere Zeithorizonte hoch. 
Quelle: Amenc, Goltz, Thabault (2014)
Neben der Performance ergeben sich weitere Vorteile einer gleichzeitigen Berücksichtigung der vier Faktoren in einem gemeinsamen Index: Im Rebalancing können die Transaktionen in den jeweiligen Teil-Faktorindizes gegeneinander aufgerechnet werden können. Wird eine Aktie in einem der Indizes höher gewichtet und im anderen niedriger, kann dies direkt miteinander verrechnet werden, wodurch die Transaktionskosten gegenüber der separaten Verfolgung der Einzelstrategien geringer sind. Dies schlägt sich im Portfolio-Umsatz nieder, der sowohl für das EW- als auch das ERC-Portfolio reduziert ist. Jeder Smart-Faktorindex für sich erzielt gegenüber der Benchmark eine Outperformance, selbst bei hohen Transaktionskosten. Doch durch die Kombination der Einzelfaktoren im Multi-Beta-Index kann nochmals eine höhere Rendite nach Kosten erzielt werden.