M&As erzeugen Wertzuwächse in schlechten Marktphasen
Im M&A-Markt befürchten Marktbeobachter, dass die Kreditkrise zu einer weitgehenden Liquiditätskrise führen wird, die sich negativ auf die Abwicklung von M&A-Transaktionen auswirkt. Anscheinend handeln Käufer und Verkäufer von M&A-Transaktionen jedoch relativ unabhängig von Marktphasen. Vielmehr erzielen M&As die in Abschwungphasen (Downturns) durchgeführt werden, langfristig höhere Wertzuwächse als M&As die in Aufschwungphasen (Upturns) durchgeführt werden. Zu diesem Ergebnis kommt die vierte jährliche M&A Studie der Boston Consulting Group (BCG) mit dem Titel "The Return of the Strategist - Creating Value with M&A in Downturns". Studienschwerpunkt ist der Verkauf von Unternehmensteilen (Divestitures). Zum einen, da Divestitures bisher wenig untersucht wurden, zum anderen um die These zu überprüfen, dass Divestitures während schlechter Marktphasen zunehmen.
In der Studie werden mehr als 5.100 Transaktionen untersucht. Das Transaktionsvolumen blieb trotz der Kreditkrise relativ hoch, wobei der Trend zu kleineren M&As geht. Der Anteil von Private-Equity-Investoren ist im Zuge der Krise von 27% auf 13% gefallen, was sich durch die hohe Fremdkapitalabhängigkeit von Private Equity erklären läßt. Dafür nehmen wieder mehr Unternehmen am M&A Markt teil. Der Studie zufolge interessieren sich Käufer und Verkäufer von Unternehmensanteilen weniger für die Marktphase, sondern dafür, ob M&As Wertzuwächse generieren können oder nicht.
Die Studie der BCG zeigt, dass ein durchschnittlicher Upturn-M&A langfristig einen relativen Total Shareholder Return (TSR) von -6,2% erzielt, ein durchschnittlicher Downturn-M&A hingegen einen langfristigen relativen TSR von +8,3% erreichen konnte. Die Differenz von 14,5% lässt sich laut der Studie dadurch erklären, dass Akquisitionsunternehmen in schwierigen Marktphasen eher Ziele mit unrealisiertem Potential ausfindig machen, sei es durch Bewertungsfehler des Marktes oder durch die Disziplinierung durch ein schlechtes Marktumfeld. Die Studie beschreibt als wichtigste Determinanten für eine erfolgreiche Fusion kleine Zielunternehmen, Zahlung einer Prämie für geringe Bewertungsmultiplikatoren, Zahlung durch Cash, Erfahrung im M&A Bereich und profitables Wachstum.
Auch gegenüber vollständigen Unternehmensfusionen erzeugen Divestitures höhere Wertgewinne und Renditen beim Akquisitionsunternehmen. So brachten 57,5% der Divestitures Steigerungen im Unternehmenswert gegenüber 41,7% bei den Fusionen. Die Ankündigungsrendite von Divestitures ist überraschenderweise positiv (2,2%), während sie, wie auch frühere Untersuchungen zeigen, für Fusionen negativ ist (-1,2%).
Die Studie kann hier heruntergeladen werden.