28.02.2018 | Research

Liquiditätseinfluss von ETFs auf Primärmarkt

Jayoung Nam von der Indiana University Bloomington hat einem Forschungspapier die Auswirkungen der Einführung von Corporate-Bond-ETFs auf die Liquidität des zugrundeliegenden Marktes untersucht. In der Literatur wird bislang die These vertreten, dass die Einführung von ETFs die Liquidität des entsprechenden Marktes vermindert, da weniger informierte Investoren vom Primärmarkt auf die kollektiven Instrumente ausweichen.
Die Autorin zeigt, dass der Einfluss der Einführung von ETFs auf die Liquidität des Primärmarktes von der Liquidität vor der Einführung dieser Instrumente abhängt: Ist der Marktzugang vor Einführung von ETFs sehr begrenzt, etwa wegen regulatorischer Beschränkungen oder Kosten, kann der Primärmarkt durch Arbitrage mit den ETFs sogar an Liquidität gewinnen, da neue Investorengruppen in das Segment einsteigen. Umgekehrt verhält sich dies, wenn der Markt schon vorher sehr liquide ist.

Für den Zeitraum 2007 bis 2017 untersucht die Autorin anschließend, wie sich die Liquidität verschiedener Anleihen nach deren Erstaufnahme in einem ETF verändert. Für Hochzinsanleihen verringern sich die Transaktionskosten um 10 % (5,4 Basispunkte), während die Veränderung im Investment-Grade-Segment nicht signifikant ist. Erwartungsgemäß steigt die Liquidität von Anleihen mit vorher geringen Handelsvolumina, während vorher stark gehandelte Anleihen an Liquidität verlieren. Auch verbessert sich die Liquidität von Anleihen mit längerer Laufzeit. Die positiven Liquiditätseffekte treten allerdings nur dann auf, wenn die Arbitrage-Aktivitäten zwischen ETF- und Bond-Markt hoch sind. Am konkreten Beispiel eines High-Yield-ETFs, dessen unterliegender Index durch eine Regeländerung 248 Anleihen neu aufgenommen hat, zeigt die Autorin, dass sich deren Liquidität um 3,5 % verbessert hat.


Quelle: Nam, 2017


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