07.06.2017 | Research

Liquidität der Bond-Märkte bei systemischem Stress

Mike Anderson von der George Mason University und René Stulz von der Ohio State University haben in einem Forschungspapier die Veränderung der Liquidität des Corporate-Bond-Marktes seit der Finanzkrise untersucht, insbesondere im Hinblick auf einen Einfluss regulatorischer Verschärfungen. Hierzu ziehen die Autoren eine Reihe verschiedener Liquiditätsmaße heran, darunter Amihud-Illiquiditätsmaß, Bid/Ask-Spread (EFFSPD), Handelskosten (IRC), und Umfang der Handelsaktivitäten. Preisbasierende Maße zeigen, dass sich die Liquidität der Corporates-Märkte im Zeitraum 2013/14, als regulatorische Änderungen implementiert waren, in Relation zu vor der Finanzkrise verbessert hat. Die Verbesserungen betreffen sowohl das Hochzins- als auch das Investment-Grade-Universum, fallen aber im High-Yield-Bereich stärker aus. Diese Entwicklung ist überraschend, da die Verschärfungen die Kosten für das Investment in riskantere Anleihen haben steigen lassen. Im Widerspruch dazu ist das Handelsvolumen gesunken und liegt sogar unter dem Niveau der Finanzkrise. Dieser Widerspruch wird dadurch erklärt, dass preisbasierte Liquiditätsmaße nicht berücksichtigen, wenn Handelsaktivitäten aufgrund niedriger Liquidität gar nicht erst zustande kommen.


Quelle: Mason, Stulz, 2017

Eine verbreitete Sorge von Investoren ist eine Austrocknung der Liquidität des Marktes in Stressphasen. Die Autoren testen daher die Auswirkungen dreier Stressszenarien auf die Liquidität der Bond-Märkte: ein starker Anstieg des VIX, deutliche Renditesteigerungen und Downgrades von Investment Grade zu High Yield. Die Ergebnisse zeigen, dass zwischen idiosynkratrischem und systemischem Stress unterschieden werden muss. Während Downratings keine konsistent negativen Auswirkungen haben, gehen systemische Stress-Events nach der Finanzkrise mit einer größeren Verschlechterung der Liquiditätssituation einher als vor der Krise. In Bezug auf die Stabilität des Finanzmarktes ist gerade Letzteres von besonderer Bedeutung, da Krisen so verschärft werden können.


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