28.04.2015 | Research

Langfristige Outperformance-Mechanismen

In einem Forschungspapier hat der Asset Manager Comgest untersucht, welche Outperformance-Mechanismen bestimmte Wachstumsaktien langfristig die Markterwartungen permanent übertreffen lassen. Hierzu wird beispielhaft die Aktie von Coca Cola herangezogen. Ein Investment in eine Aktie, die 1919 für 40 US-Dollar ausgegeben wurde, wäre Ende 2013 bei Wiederanlage aller Dividenden rund 11,5 Mio. US-Dollar wert gewesen. Ursächlich ist der Zinseszinseffekt, gefolgt von der Wiederanlage der Dividenden. Die reine Wertentwicklung der Aktie macht nur 3,3 % der Performance aus, der Rest entfällt auf die Dividenden. Drittens folgt der Kurs langfristig der Entwicklung der Gewinne. Historisch ist das KGV im Mittel etwa beim Zwanzigfachen der Gewinnerwartungen der kommenden 12 Monate.


Quelle: Comgest

Basierend auf der rückblickenden Bewertung der Aktie werden zwei Mechanismen identifiziert, die die Outperformance der Aktie erklären. Einerseits ist dies der langfristige Wachstumseffekt: Wird bei einem Unternehmen mit einem bestimmten Gewinnwachstum das KGV in Abhängigkeit von der Wachstumsdauer errechnet, dann bedeutet ein jahrzehntelanges überdurchschnittliches Wachstum, wie bei Coca Cola der Fall, dass die KGVs massiv ansteigen. Da dieses langfristige Wachstum bei den Unternehmensbewertungen kaum berücksichtigt wird, entsteht eine Lücke zwischen Marktpreis und dem ex-post gerechtfertigten Wert.


Quelle: Comgest

Der zweite Effekt ist der Translationseffekt. Analysen rechnen üblicherweise mit einer Abflachung des Gewinnwachstums im Zeitverlauf. Damit basieren die Unterschiede zwischen tatsächlichen und prognostizierten Ergebnissen im Falle Coca Colas nicht auf der Wachstumsrate, sondern auf der Wachstumsdauer. Anders ausgedrückt, kann eine Outperformance auch dann zu Stande kommen, wenn die Wachstumsprognosen der Analysten auf Sicht von drei bis fünf nicht übertroffen werden, sondern lediglich der Wachstumshorizont nicht abnimmt. Wenn also in einem Jahr implizit zehn Jahre Wachstum im Kurs berücksichtigt werden und ein Jahr später beträgt der Wachstumshorizont weiterhin zehn Jahre, kann der Kurs bei konstanten Bewertungskennziffern im Einklang mit dem Gewinn wachsen.

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