26.06.2013 | Research

Kreditrisiko durch CDS-Prämien nur unzureichend erfasst

CDS-Prämien bilden das zugrunde liegende Kreditrisiko des Referenzunternehmens nur zu einem geringen Teil ab, stellten drei Autoren der Bundesbank und der Universität Köln in einer Anfang Juni veröffentlichten Forschungsarbeit fest. Bei der Preisbildung spielen demnach Marktfriktionen eine entscheidende Rolle und verzerren so den Einfluss des tatsächlichen Ausfallrisikos des Schuldners. Für 70 Unternehmen aus DAX und MDAX haben Yalin Gündüz, Julia Nasev und Monika Trapp über 50.000 Transaktionen von 595 Marktteilnehmern analysiert. Ihre Untersuchung zeigt, dass Order Flows die Preisbildung erheblich beeinflussen. Registriert ein Händler eine steigende Anzahl an Kaufgeboten, erhöht er den Prämienaufschlag. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass durch hinreichend große Orders CDS-Prämien strategisch beeinflusst werden können, schreiben die Autoren. Ebenso führt mangelnder Konkurrenzdruck unter den CDS-Händlern zu Marktmacht und Preisdiskriminierung. Buy-side-Trader zahlen dabei signifikant höhere Prämien als Händler. Darüber hinaus verlangen Händler und Market Maker Preisaufschläge zur Kompensation der asymmetrischen Informationsverteilung und eingegangene Inventarrisiken. Die Höhe der CDS-Prämie spiegelt daher zu einem großen Teil nicht das Kreditrisiko wider.


Quelle: Gündüz, Nasev, Trapp (2013)

Die Analyse erstreckt sich auf den Handel von allen CDS mit deutschen Referenzunternehmen im Zeitraum von Januar 2009 bis Juni 2011 und liefert auch wertvolle Erkenntnisse über den sonst intransparenten OTC-Markt für CDS. Unter den 595 Marktteilnehmern des Datensets befinden sich 22 Händler und 573 Buy-side Trader. Rund 87 % der Transaktionen finden mit einem Händler als Käufer oder Verkäufer statt. In drei von vier Transaktionen handeln die 22 CDS-Dealer sogar nur untereinander ohne unmittelbares Buy-side Interesse. Die Autoren schlussfolgern, dass durch eine zentrale Handelsplattform für CDS die Preiseffizienz deutlich gesteigert werden könnte.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "CDS"
zurück