Konsolidierung der Private-Equity-Branche
Eine Studie der spanischen IESE Business School und der Boston Consulting Group (BCG) untersucht die Gründe für die Krise der Finanzindustrie, die Auswirkungen auf die Private-Equity Branche und die Folgen für gesamte Industrie. In den nächsten drei Jahren könne es demnach zu einem starken Rückgang der Anzahl an Private-Equity Unternehmen (bis zu 40 Prozent) kommen.
Aufgrund ungewöhnlich guter Rahmenbedingungen wies die Private-Equity Industrie von 2003 bis 2007 exponentielle Wachstumsraten auf. Die Studie identifiziert vier Haupttreiber, die dieses Wachstum ermöglichten. Große Mengen an günstigen Krediten standen zur Verfügung. In den letzten 5 Jahren stieg der Umfang an Fremdkapital für Leverage Buyouts (LBO) in den USA und Europa von zusammen 71 Milliarden auf 669 Milliarden US-Dollar. Zugleich kletterte die Profitabilität in der Industrie massiv an. Allein das EBITDA des S&P 500 stieg im Durchschnitt von 2003 bis 2007 um 16 Prozent pro Jahr an. Das trieb auch die Preise für Unternehmen konstant nach oben. Ein weiterer wichtiger Faktor war eine immer größer werdende Allokation von Private-Equity in den Portfolios institutioneller Anleger. Die hohen Renditen lockten eine wachsende Zahl neuer Investoren, wie Beispielsweise Pensionsfonds, Stiftungen und Hedgefonds. Dies führte zusätzlich dazu, dass bereits in Private-Equity investierte Anleger ihre Anteile ausweiteten.
Durch die Krise änderte sich die Entwicklung dieser Faktoren jedoch in die entgegengesetzte Richtung. Neue Kredite für LBO Transaktionen betrugen im Oktober und November 2008 nur noch 6 Milliarden US-Dollar und die meisten Industrien weisen ein negatives EBITDA Wachstum auf. Da sich die Anteile von Private-Equity in den Portfolios, bedingt durch die schlechte Entwicklung anderer Assetklassen, stark erhöht haben sind Investoren gezwungen ihre gehaltenen Anteile zu veräußern, oft mit einem signifikanten Abschlag.
Galten 2006 weniger als ein Prozent der Portfolio-Unternehmen als notleidend, ist dieser Anteil im November 2008 auf 60 Prozent angestiegen. Den dadurch entstehenden Verlust schätzen die Autoren der Studie auf rund 300 Milliarden Dollar. An vielen LBOs ist nur eine Private-Equity Gesellschaft beteiligt, nur in 20 bis 30 Prozent der Fälle sind es zwei oder mehr.
Auf der Basis dieser Tatsachen ermittelt die Studie folgende vier Faktoren, die ein Überleben eines Private-Equity Unternehmens bedingen: Der Zeitpunkt des nächsten Fundraisings, die langfristige Performance, Zeitpunkt der nächsten Desinvestitionen und neuen Akquisitionen und der Anteil an notleidenden Unternehmen im Portfolio. Die Autoren bewerteten Private-Equity Gesellschaften nach diesen Kriterien und kommt zu dem Ergebnis, dass mindestens 20% der Unternehmen in Insolvenz gehen werden. Dieser Anteil könne sich auf 40 Prozent erhöhen, wenn institutionelle Investoren ihre Allokation in Private-Equity stärker einschränken. Auf der anderen Seite werden mindestens 30 Prozent die Krise überleben. Die erwartete Konsolidierung der Märkte eröffne zudem attraktive Einstiegsmöglichkeiten und damit das Potential für angfristig überdurchschnittliche Renditen.