19.05.2026 | Märkte

Kapital und Wettbewerb im Rückversicherungsmarkt

Die Rückversicherungsmärkte sind 2026 nach Einschätzung von Aon in eine käuferfreundlichere Phase eingetreten. Demnach prägen Rekordkapazitäten, hoher Wettbewerb durch traditionelle Rückversicherer und wachsendes ILS-Kapital den Markt. Das globale Rückversicherungskapital erreichte Ende 2025 nach Aon-Schätzung 785 Mrd. USD, knapp 10 % mehr als ein Jahr zuvor. Davon entfielen 649 Mrd. USD auf traditionelles Eigenkapital und 136 Mrd. US-Dollar auf Drittmittel. Besonders relevant sind dabei die alternativen Kapitalquellen. Ihr Volumen stieg 2025 auf einen Höchststand; neben Katastrophenanleihen (Cat Bonds) trugen Sidecars, Industry-Loss-Warranties (ILW) sowie besicherte Rückversicherungslösungen dazu bei. Sidecar-Kapazitäten nahmen allein 2025 um mehr als 5 Mrd. USD zu.


Quelle: Aon

Das ausstehende Volumen von Property-Catastrophe-Bonds lag 2025 bei rund 61 Mrd. USD. Auch im ersten Quartal 2026 blieb die Emissionstätigkeit hoch und bewegte sich nahe dem Rekordniveau des Vorjahresquartals von 6,1 Mrd. USD. Aon verweist zudem auf mehrere große Transaktionen; Allstate kam mit einer Emission von 1,2 Mrd. USD an den Markt und hatte per 1. April 2026 fast 3,9 Mrd. USD über das größte Cat-Bond-Programm des ILS-Markts ausstehend. Die starke Kapitalposition wurde durch gute versicherungstechnische Ergebnisse gestützt. Die Combined Ratio des Rückversicherungssektors verbesserte sich 2025 auf 88,5 %, nach 90,1 % im Vorjahr. Der durchschnittliche Return on Equity der betrachteten Rückversicherer lag bei 17 % und damit etwa doppelt so hoch wie die geschätzten Kapitalkosten.


Quelle: Aon

Für Investoren ist demnach vor allem der zyklische Befund relevant: Rückversicherer verfügen über hohe Kapitalpuffer und erzielen weiterhin attraktive Renditen, während zusätzliches ILS-Kapital den Preiswettbewerb verschärft. Aon erwartet, dass Zyklusmanagement wichtiger wird. Relevante Einsatzfelder sind Ergebnisstabilisierung, Kapitaleffizienz, M&A-Finanzierung und Wachstum in neuen Risiken wie Cyber, Datenzentren, grüner Energie und Spezialsparten. Belastungsfaktoren bleiben geopolitische Risiken, Naturkatastrophen, Kapitalmarktvolatilität und mögliche Margenrückgänge im Erstversicherungsgeschäft.


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