01.03.2022 | Research

Instrumente zur ESG-Bewertung von Unternehmen

Philipp Krueger und Cyrill Pasche vom Swiss Finance Institute haben in einem Research Paper verschiedene Nachhaltigkeits-Ratings und die Gründe für die Abweichungen zwischen den verschiedenen Rating-Anbietern untersucht. In der Vergangenheit wurde Nachhaltigkeit von Unternehmen vor allem auf operationeller Ebene bewertet, was zur Folge hat, dass auch Unternehmen mit nicht-nachhaltigen Produkten ein gutes Rating bekommen konnten. Zuletzt sind vermehrt die Produkte und Dienstleistungen in den Fokus gerückt. Ein weiterer Aspekt ist, dass klimaspezifische Daten wie CO2-Emissionen ein stärkeres Gewicht erhalten. Die Autoren stellen kurz eine Reihe verschiedener freiwilliger und regulatorischer Ansätze für das Nachhaltigkeits-Disclosure vor, wozu in der EU bspw. die EU-Taxonomie gehört.

Im Vergleich zu Kredit-Ratings sind die Abweichungen der Nachhaltigkeits-Ratings verschiedener Anbieter für dasselbe Unternehmen wesentlich höher. Dies betrifft zwar nicht alle Anbieter von ESG-Ratings in gleichem Maße und hängt auch von der Branche der Zielunternehmen ab, aber selbst bei vergleichsweise geringen Unterschieden sind diese noch immer höher als bei Kredit-Ratings.


Quellen: Krueger, Pasche, 2021; Gibson, Krueger, Schmidt, 2021

Sowohl inhaltliche Unterschiede bei der Berücksichtigung von ESG-Aspekten als auch Abweichungen bei den verwendeten Maßzahlen für dasselbe Kriterium ziehen die größten Rating-Differenzen nach sich, wobei Letzteres noch überwiegt. Eine einfache Steigerung der von Unternehmen zur Verfügung gestellten Datenmenge sorgt nicht für eine Reduzierung der Rating-Unterschiede, sondern steigert diese sogar noch.
Probleme bei der Bewertung der Nachhaltigkeit von Unternehmen sind nichtsdestotrotz Datenverfügbarkeit und geringe Standardisierung bei den relevanten Schlüsselindikatoren. Eine Verpflichtung der Unternehmen bestimmte Aspekte zu veröffentlichen, würde für diese mit höheren Kosten einhergehen, was insbesondere kleinere Unternehmen trifft, kann aber zu einer Reduzierung von Informationsasymmetrien führen. Weiterhin können positive Externalitäten auftreten. Als Beispiel wird aufgeführt, dass seit der verpflichtenden Veröffentlichung der CO2-Emissionen in Großbritannien die Emissionen dort stärker abgenommen haben als in Kontinentaleuropa.  


Mit der Publikation Absolut|impact zeigt Absolut Research das Spektrum nachhaltiger Investments für institutionelle Investoren auf. Anleger erfahren durch Fachbeiträge zu Strategien, Trends, Methoden und Regulierung, wie sie nicht nur ihr Portfolio, sondern auch gesellschaftliche Veränderungen (mit)gestalten können.

Abonnenten von Absolut Research können weiterführende Informationen hier herunterladen:
Mehr zum Thema "ESG Ratings"
zurück