Informationsasymmetrien als Auslöser der Finanzmarktkrise
Gary Gorton, Ökonom an der Yale School of Management, beschreibt in seiner jüngst erschienenen Studie, "The Panic of 2007", wie es zu der Finanzmarktkrise im Jahr 2007 kam. In den Fokus der Studie stellt der Autor die Frage, warum der Preisverfall für Wohnimmobilien zu einer systemischen Krise des ganzen Bankensektors führte.
Dazu analysiert Gorton die Besonderheiten der Sub-Prime-Hypotheken und deren Verbriefung. Im Gegensatz zu traditionellen Krediten ist bei Sub-Prime-Krediten die Güte des Kredits primär von der Entwicklung der Immobilienpreise und nicht der Bonität der Schuldner abhängig. Die Schuldner waren nur solange zur Rückzahlung in der Lage, wie die Preise stetig stiegen. Der gestiegene Wert der Immobilien diente bei kurz laufender Finanzierung als Sicherheit für neue Hypotheken.
Diese Eigenschaften seien der Grund für eine unübersichtliche Verbriefung der Risiken durch Nutzung von nicht bilanzierten CDOs oder der Verwendung von Credit Default Swaps in CDOs. Während die Verkäufer sich der Komplexität der Strukturen bewusst gewesen seien, fehlte dieses Bewusstsein auf der Käuferseite. Im Zuge der mehrfachen Verbriefungen sei es für beide Seiten zunehmend unmöglich geworden die Risiken zu lokalisieren. Selbst heute, so der Autor, sei nicht klar, wo sämtliche Risiken verborgen seien.
Die Informationsasymmetrien zwischen Verkäufern und Käufern führte bei Ausbruch der Krise zu einem Vertrauensverlust, der ein Erliegen des Marktes nach sich zog. Durch die Rücknahme nichtbilanzierter Verpflichtungen in die Bilanzen der Banken und der sukzessiven Abschreibungen wurde der Markt weiter getroffen. Die Krise weitete sich zu einer Vertrauenskrise gegenüber den Banken aus, um von dort auch auf die Realwirtschaft überzugreifen.