Indikator zur Ermittlung des antizyklischen Kapitalpuffers
Das Regelwerk Basel III sieht vor, dass bei übermäßiger Kreditvergabe an den privaten Sektor Banken einen antizyklischen Risikopuffer aufbauen. Grundlage für die Aktivierung des Puffers ist die Kombination einer diskretionären mit einer systematischen Komponente. Letztere basiert auf einem Leitindikator, der allerdings einer kurzen Analyse von Yves Schüler (Bundesbank) zufolge, Schwächen aufweist.
Der vorgesehene Leitindikator setzt unter Verwendung eines statistischen Filters die Kreditvergabe mit dem BIP ins Verhältnis. Dieser Filter soll fundamental gerechtfertigte Veränderungen des Kredit/BIP-Verhältnisses bereinigen, etwa ausgelöst durch die Einführung neuer Finanzinstrumente. Der Leitindikator ist dann die Lücke zwischen Kredit/BIP-Verhältnis und seinem längerfristigen Trend. Problematisch ist, dass Zyklen, die länger als 30 Jahre dauern, als Trend interpretiert werden. In der Folge ist der Leitindikator für den Kapitalpuffer vor allem von diesen langfristigen Zyklen determinert, während kurzfristigere Zyklen, etwa die Konjunktur, nicht mehr erkennbar sind. Hinzu kommt, dass der verwendete Filter für unterschiedliche Länder und Zeiträume gleich angewandt wird, da Zyklen in verschiedenen Ländern unterschiedlich lange dauern.
Ein weiterer Kritikpunkt ist die Ausgestaltung des Filters, da dieser nicht in der Lage ist, auf Finanzkrisen, die in kürzeren Abständen auftreten, zu reagieren. Erfolgt die Aktivierung des antizyklischen Kapitalpuffers zu eng an den systematischen Leitindikator angelehnt, verlaufen Kreditvergabe und Risikopuffer nicht synchron. Am Beispiel USA zeigt der Autor zwei Probleme. Zum einen erfolgt die Freigabe des Puffers nicht schnell genug, nachdem die Finanzkrise bereits abgeflaut ist und die Kreditvergabe eigentlich unterstützt werden müsste. Zum anderen ist der Leitindikator aktuell nach wie vor im negativen Bereich, obwohl sich die Kreditvergabe in den USA bereits wieder erholt hat (und damit Risiken bestehen können). Stattdessen wird ein alternativer Indikator vorgeschlagen, der auf einem gleichzeitigen Anstieg von Vermögenspreisen basiert.

Quelle: Schüler, 2019
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