07.04.2025 | Research

Geopolitik verändert Handel und bedroht Effizienz

Geopolitische Distanz ist zu einem signifikanten Handelshemmnis geworden, zeigt ein empirisches Working Paper von Costanza Bosone und Giovanni Stamato von der EZB. Sie messen die geopolitische Distanz anhand des Abstimmungsverhaltens von Ländern in der UN-Generalversammlung. Wenn sich zwei Länder politisch voneinander entfernen, sinkt ihr bilateraler Handel: ein Anstieg der geopolitischen Distanz um zehn Prozentpunkte geht demnach mit einem Rückgang der Handelsströme um etwa zwei bis zweieinhalb Prozentpunkte einher. Besonders deutlich wurde dieser Effekt ab dem Jahr 2018, als sich die Beziehungen zwischen den USA und China während der ersten Trump-Präsidentschaft merklich verschlechterten.



Quelle: Bosone, Stamato


Insbesondere die Importströme der Industrieländer reagieren stark auf diesen Indikator. Diese Sensibilität lässt sich unter anderem mit neuen wirtschaftspolitischen Maßnahmen erklären, die auf stärkere inländische Produktionsförderung abzielen, etwa dem Inflation Reduction Act in den USA oder dem EU Chips Act. Dabei zeigt sich kein nennenswerter Trend zum Near-Shoring, also zur Verlagerung von Produktionsketten in geografische Nähe. Stattdessen lässt sich Friend-Shoring beobachten: Länder handeln zunehmend mit politisch nahestehenden Staaten. Dieses Muster ist ab 2018 besonders ausgeprägt und lässt sich auch dann nachweisen, wenn klassische Handelshindernisse wie Zölle oder Handelsabkommen berücksichtigt werden.



Quelle: Bosone, Stamato


Handelsentscheidungen werden zunehmend nicht nur von ökonomischer Rationalität, sondern auch von geopolitischen Überlegungen bestimmt. Dies könnte langfristig die Effizienz globaler Lieferketten, das Ausmaß internationaler Spezialisierung und die Fähigkeit zur Bewältigung globaler Herausforderungen – etwa im Klimaschutz – erheblich beeinträchtigen, schlussfolgern die Autoren.


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