11.03.2025 | Research

Gender Diversity als ökonomischer Wachstumsfaktor

Makroökonomische Modelle berücksichtigen die Rolle von Geschlechtervielfalt bislang nicht angemessen, zeigt eine Analyse von Jonathan Ostry von Bruegel. Die gängige ökonomische Annahme, dass männliche und weibliche Arbeitskräfte perfekt substituierbar sind, entspricht nicht der empirischen Realität. Vielmehr müssen die komplementären Eigenschaften beider Gruppen stärker berücksichtigt werden.

Entscheidend ist demnach eine höhere weibliche Erwerbsbeteiligung, da diese nicht nur das Arbeitskräfteangebot erhöht, sondern durch komplementäre Effekte die gesamtwirtschaftliche Produktivität steigert. Ein Effekt, den bisherige Modelle systematisch unterschätzen.


Substitutionselastizität auf Sektorebene

Quelle: Bruegel, Ostry


Daraus folgt, dass wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Förderung der weiblichen Erwerbsbeteiligung ein erhebliches Potenzial für zusätzliches Wirtschaftswachstum bieten. In den meisten Fällen überwiegt der positive Effekt auf die Produktivität den möglichen negativen Einfluss eines größeren Arbeitsangebots auf die Kapitalintensität.

Dies bedeutet auch, dass eine stärkere Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt nicht nur das gesamtwirtschaftliche Einkommen steigert, sondern potenziell auch positive Effekte auf die Löhne haben kann.


Wachstumsbeitrag des Diversity-Effekts

Quelle: Bruegel, Ostry


Standardmodelle schreiben einen Teil des wirtschaftlichen Wachstums fälschlicherweise dem technologischen Fortschritt zu, obwohl es tatsächlich durch eine höhere weibliche Arbeitsmarktpartizipation bedingt ist. Simulationen zeigen, dass eine Angleichung der weiblichen an die männliche Beschäftigungsquote das Bruttoinlandsprodukt um acht bis vierzehn Prozent steigern könnte.

In Ländern mit besonders niedriger Frauenbeschäftigungsquote könnte das Wachstumspotenzial sogar bei bis zu zwanzig Prozent liegen. Darüber hinaus legt die Studie nahe, dass etwa 0,2 bis 0,3 Prozentpunkte des jährlichen Wachstums der totalen Faktorproduktivität zwischen 1990 und 2019 auf eine steigende weibliche Erwerbsbeteiligung zurückzuführen sind.

Die Analyse basiert auf Firmendaten aus dem chinesischen Produktionssektor, sektoralen Daten aus OECD-Ländern sowie makroökonomischen Daten zu geschlechtsspezifischer Arbeitsmarktbeteiligung und wirtschaftlicher Gesamtleistung.


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