27.06.2008 | 

Financial Stability Review der EZB analysiert Entwicklung von Hedgefonds

In ihrem halbjährlichen Financial Stability Review (FSR) vom Juni 2008 widmet sich die Europäische Zentralbank auch der Entwicklung von Hedgefonds. Der Bericht behandelt insbesondere die Einflüsse der Kreditkrise auf Hedgefonds und die daraus resultierenden Risiken für die Branche.
Die kumulierten durchschnittlichen Renditen von Hedgefonds lagen zwischen November 2007 und März 2008 im unteren Dezil der Renditenhistorie. Dabei schnitten die Strategien Convertible Arbitrage und Fixed Income Arbitrage am schlechtesten ab. Gute Renditen zeigten vorwiegend die direktionalen Strategien Global Macro, Short Selling und Managed Futures, die von volatilen Marktphasen profitieren. Hedgefonds mit Schwerpunkten im Kreditmarkt zeigten unterschiedliche Ergebnisse.

Während einige Fonds gute Renditen im Kreditmarkt erzielten, litten andere unter dem Verfall der Kurse. Fonds die Fremdkapital (Leverage) nutzen, sahen sich teilweise mit Liquiditätsproblemen konfrontiert. Durch Margin Calls von Banken, steigende Risikoprämien und Rückgaben von Anlegern waren diese Fonds gezwungen, Teile ihrer Investments zu liquidieren, wodurch die Kurse am Kreditmarkt weiter sanken. Die Nutzung von Fremdkapital sank im letzten Halbjahr und bleibt damit auf einem moderaten Niveau. Der gewichtete Branchendurchschnitt liegt bei einem Exposure von 140% (Summe Investments durch Kapital).

Relativ resistent zeigten sich Hedgefonds gegen große Ausfälle. Gründe hierfür waren geringe Anteile in U.S. Mortgage-Backed Securities, was für die Managementqualität der Fonds spricht, so der Bericht. Darüber hinaus hätten Hedgefonds einen engeren Investmenthorizont als Banken und damit bessere Möglichkeiten des Risikomanagents. Relativiert wird das Argument, dass Hedgefonds vorsichtiger agieren, wenn das Management selbst am Fonds beteiligt ist. Der Bericht verweist darauf, das nur ca. ein Drittel der Manager an ihrem Fonds selbst beteiligt sind. Zurückgeführt wird der geringe Anteil auf die steigende Anzahl von Hedgefonds von institutionellen Anbietern.

Der Bericht führt an, dass Hedgefonds zumeist nicht aufgrund großer Verluste geschlossen werden, sondern aufgrund mangelnder Vergütungsanreize für das Management. Dabei wird argumentiert, dass Fonds mit einer High Watermark Fee nach größeren Kursrückgängen wie im ersten Halbjahr 2008 Schwierigkeiten haben, den Höchststand wieder zu erreichen. Manager, die mittels Incentive Fee vergütet werden, hätten nach schwachen Jahren geringe Erwartungen an zukünftige Erfolgsvergütungen. Diese Umstände führten dazu, dass seit Januar 2008 die Anzahl der Hedgefonds rückläufig war.

Für das nächste Halbjahr sind die größten Schwierigkeiten für Hedgefonds und das Finanzsystem die Stabilität der Banken als Kreditgeber, Rückgaben von Anlegern und die allgemeine Unsicherheit über die Marktentwicklung, so das Fazit des FSR.

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