EZB: Klimarisiken beeinflussen Geldpolitik
Die Europäische Zentralbank hat in einer umfangreichen Analyse die Auswirkungen des Klimawandels auf die Geldpolitik des Eurosystems untersucht. Klimarisiken können die Umsetzung der Geldpolitik demnach insbesondere über fünf Kanäle beeinträchtigen: Leitzinsen, Kreditvergabe durch Banken und Nicht-Banken, Marktpreise, Wechselkurse und Erwartungen. Zudem können die Entstehung von Stranded Assets oder eine plötzliche Neubewertung klimabezogener Risiken das Finanzsystem schwächen und so die Wirkung geldpolitscher Entscheidungen reduzieren.

Quelle: EZB
Mehrere Risiken im Zusammenhang mit dem Klimawandel können den natürlichen Zinssatz (r*) dämpfen, zusätzlich zu den Faktoren, die in den letzten Jahrzehnten bereits zu seinem säkularen Rückgang geführt haben. Dagegen kann ein höherer Bedarf an Investitionen für Anpassungs- und Wiederaufbauzwecke den natürlichen Zinssatz bei sonst gleichen Bedingungen nach oben treiben. Ein innovationsbedingter Produktivitätsanstieg kann ebenfalls einen Aufwärtsdruck auf den natürlichen Zinssatz ausüben. Der Nettoeffekt dieser beiden gegenläufigen Kräfte ist ex ante jedoch kaum zu bestimmen, räumen die Autoren ein. Sollten jedoch die Kräfte, die den natürlichen Zinssatz dämpfen, überwiegen, könnte der Leitzins häufiger die effektive Untergrenze (effective lower bound) erreichen, was den geldpolitischen Spielraum für konventionelle Instrumente einschränkt. Zudem können Klimarisiken die korrekte Identifizierung von Schocks, die für die mittelfristigen Inflationsaussichten von Bedeutung sind, erschweren. In der Folge wird es schwieriger den geldpolitischen Kurs zu bewerten und es könnte häufiger nötig werden, Kompromisse zwischen Wirtschaftswachstum und Preisstabilisierung zu finden.

Quelle: EZB
Im Szenario einer „disorderly transition“ in eine Low-Carbon-Economy bestehen zudem erhebliche Inflationsrisiken. Ab dem Jahr 2025 könnte der effektive Energiepreis um 13,5 % pro Jahr steigen, was zu einer weitaus stärkeren relativen Verschiebung des Preisniveaus führt. Dieser stärkere Anstieg ist im Szenario auf eine plötzliche Änderung der Politik zurückzuführen, mit der die Haushalte und Unternehmen nicht gerechnet haben. Dieses Szenario birgt das Risiko starker BIP-Verluste in Folge notwendiger Zinsanhebungen.
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