Europäische Schuldenkrise wird auch das Jahr 2012 bestimmen
Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich hat im Dezember den vierten Quartalsbericht 2011 veröffentlicht. Darin identifizieren die Autoren die europäische Schuldenkrise als Haupteinflussgröße auf die globalen Finanzmärkte im vergangenen Quartal. Ratingabstufungen und eine fehlende einheitliche politische Position auf europäischer Ebene haben die Märkte nicht beruhigt und zu anhaltend steigenden Renditeforderungen in den Anleihemärkten der Peripheriestaaten geführt. Gleichzeitig haben sich die Wachstumsaussichten, durch die eingesetzten Sparprogramme, nicht nur in Europa sondern auch in den Vereinigten Staaten drastisch verschlechtert. Für 2012 wird daher entscheidend sein, wie schnell der Vertrauensverlust der Märkte gestoppt werden kann, so der Report. Zuletzt fielen auch die Kurse von zuvor als sicher geglaubten Staatsanleihen, wie Österreichs, Finnlands oder Frankreichs.
Quelle: BIS (2011)
Mit Blick auf Italien stellen die Autoren fest, dass sich aus der durchschnittlichen Restlaufzeit der Staatsschulden von 7 Jahren ein ausreichender Zeitpuffer ergibt. Bleiben die Marktzinsen in 2012 auf dem Niveau vom November 2011, so hätte dies zusätzliche Kosten in Höhe von 0,95% des Bruttoinlandsprodukts zur Folge. Selbst wenn sich das Niveau in den kommenden drei Jahren nicht erholt, hat die italienische Führung zusätzliche Kosten von "nur" 2% des BIP zu erwarten.
Quelle: BIS (2011)
Parallel zur Schuldenkrise setzte sich auch die Schwächung des europäischen Bankensektors fort. Während Refinanzierungsprobleme das ganze Jahr über Bestand hatten, richtete sich im letzten Quartal der Fokus vor allem auch auf die Solvenz der Institute. Die Ratingagenturen reagierten verstärkt mit flächendeckenden Abstufungen, was zu einer Zuspitzung der Finanzierungsschwierigkeiten geführt hat.
Weitere Artikel des Reports befassen sich mit Devisenstrategien in volatilen Marktphasen, der Internationalisierung des Renminbi, der Messung globaler Liquidität und den Implikationen der jüngsten Staatsanleihenkäufe von den Zentralbanken Großbritanniens und den Vereinigten Staaten.