15.10.2013 | Research

Erwartete Renditen und Risk-Parity-Portfolios

In einem aktuellen Forschungspapier untersucht Thierry Roncalli von Lyxor die Auswirkungen der Implementierung erwarteter Renditen in der Gestaltung von Risk-Parity-Portfolios. Zu diesem Zweck wird vom üblichen Gewichtungsmaß Volatilität abgewichen. Stattdessen verwendet der Autor ein eigenes Gewichtungsmaß, das auf erwarteter Rendite, Value at Risk und dem Expected Shortfall basiert. Beide Risikomaße enthalten Annahmen zur erwarteten Renditeverteilung. Die Zuteilung der Risikobudgets ist damit auch von der erwarteten Rendite abhängig. Erwartungsgemäß verkompliziert die gleichzeitige Berücksichtigung von Volatilität und erwarteten Renditen die Portfoliogewichtung, da ein Zielkonflikt zwischen Risiko- und Performancemaßen besteht. Der Autor zeigt aber, dass bei Einhaltung eines Mindestgewichts für den Risikoanteil eine positive Wirkung auf bestehende Portfolios ausgeht.

Von besonderer Bedeutung ist ein solcher Ansatz für strategische Asset-Allokationen, also bei langen Anlagehorizonten von 10 bis 30 Jahren. Statt wie bisher über Risikoprämien das Risikobudget für einzelne Asset-Klassen festzulegen, erlaubt der vorgestellte Ansatz, nun direkt über die Risikoprämien die Risikobeiträge der Einzelpositionen auf das Portfolio zu definieren. Auch für die eher kurzfristig orientierte taktische Asset-Allokation ergeben sich Anwendungsmöglichkeiten. Abweichend von der bisherigen Anwendung von Risk-Partity-Portfolios zur Konstruktion neutraler Portfolios kann die Berücksichtigung der Renditen die Diversifikation verbessern.


Quelle: Roncalli (2013)

Problematisch ist, dass auf diesem Wege auch Prognosefehler Eingang in das Modell finden können. Vor diesem Hintergrund wird empfohlen, den Ansatz vorzugsweise nicht zur Gestaltung sehr aktiver Trading-Strategien zu verwenden.

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