06.10.2025 | Research

Equity Duration zur Erklärung von Aktienkursbewegungen

Erwartete Renditen spielen eine deutlich größere Rolle in der Erklärung von Aktienkursen als erwartetes Dividendenwachstum, zeigt ein wissenschaftliches Paper. Benjamin Golez (University of Notre Dame) und Peter Koudijs (New York University) führen dies auf die gestiegene Equity Duration zurück: Unternehmen senkten ihre Ausschüttungsquoten, behielten Gewinne ein und investierten stärker in Wachstum, wodurch künftige Wertsteigerungen wichtiger wurden.

Ein Vergleich der Barwerte kurzfristiger Dividendenforderungen mit langfristigen Marktdividenden zeigt, dass kurze Duration das Dividendenwachstum betont, während lange Duration erwartete Renditen in den Vordergrund rückt. Anschließend entwickeln die Autoren ein einfaches Investitionsmodell, in dem die Payout-Ratio als Maß für die Duration dient. Mit ihr lassen sich künftige Renditen, Dividendenwachstum und die Dividendenrendite vorhersagen und die relativen Beiträge von Renditen und Dividendenwachstum zur Kursentwicklung bestimmen.

Historisch waren die Ausschüttungsquoten sehr hoch, nach 1945 sanken sie auf rund 40 Prozent. Gleichzeitig stieg das reale Dividendenwachstum, während der Dividendenanteil an der Gesamtrendite von etwa 70 auf rund 40 % sank. Entsprechend verschob sich auch die Bedeutung der Einflussfaktoren: Vor 1945 erklärten erwartete Renditen etwa 35 % der Schwankungen der Dividendenrendite, danach hingegen rund 90 %. Damit ist der wachsende Einfluss der erwarteten Renditen eng mit dem Rückgang der Ausschüttungsquoten verknüpft. Eine Querschnittsanalyse für US-Aktien bestätigt diesen Befund.


Quelle: Golez, Koudijs, 2025

Anschließend kalibrieren die Autoren ein erweitertes Barwertmodell und zeigen, dass sinkende Ausschüttungsquoten mit höherer Duration und stärker schwankenden erwarteten Renditen einhergehen. Simulationen ergeben, dass das Modell konservativ rund 70 % des nach 1945 beobachteten Anstiegs der Bedeutung erwarteter Renditen erklärt, was ein deutlicher Beleg dafür ist, dass die längere Equity Duration den Wandel in der Kursbildung maßgeblich bestimmt.


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