14.06.2022 | Research

Einfluss des Sekundärmarkthandels von Corporate Bond ETFs auf Konstituenten

Caitlin Dannhauser von der Villanova University und Egle Karmaziene von der Vrije Universiteit untersuchen in einem Research Paper den Einfluss des Sekundärmarkthandels von Corporate Bond ETFs auf deren Konstituenten. Es werden jeweils zwei Anleihen desselben Emittenten verglichen und das Sample auf Bonds beschränkt, die in ETFs enthalten sind. Es zeigt sich, dass ein höherer Turnover der Anleihe, der durch die Zugehörigkeit zum ETF ausgelöst ist, mit einem höheren R² einhergeht. Dies bedeutet, dass Anleihen, die von liquideren ETFs gehalten werden, geringere idiosynkratische Risiken aufweisen. Genau umgekehrt verhält es sich beim Anteil der ausstehenden Bonds, der von ETFs gehalten wird: Ein höherer Anteil führt hier ceteris paribus zu größeren idiosynkratischen Risiken. Die Autorinnen interpretieren dies als Rauschen, welches durch den ETF-Handel auf den Pricing-Prozess der Underlyings durchschlägt.


Quelle: Dannhauser, Karmaziene, 2022

Die Ergebnisse implizieren, dass dieses Rauschen durch das Exposure zu liquideren ETFs kompensiert werden kann. Dies ist über zwei Kanäle möglich. Erstens erfolgt die Einpreisung neuer Informationen in die Underlyings liquiderer ETFs schneller, da Market Maker ihre Quotes der Anleihen durch die zusätzlichen Informationen aus dem ETF-Handel schneller anpassen müssen. Zweitens können ETFs als Puffer bei unsystematischen Liquiditätsschocks dienen, so dass erhöhter Liquiditätsbedarf von Versicherungsunternehmen nicht über den Verkauf der Anleihen, sondern bereits im ETF-Markt bedient werden kann. Dies reduziert wiederum Rauschen bei der Bepreisung der Anleihen.

Werden unterschiedliche Marktregime betrachtet, dann zeigt sich, dass ETFs mit einem aktiven Sekundärmarkt in ruhigen Marktphasen das Rauschen bei der Bepreisung der Anleihen reduzieren, aber zu Überreaktionen bei systematischen Schocks führen können. Bei unternehmensspezifischen Schocks, also Downratings, ist die Überreaktion bei Anleihen geringer, je höher der von ETFs gehaltene Anteil der ausstehenden Bonds ist und je liquider die ETFs sind. Damit haben weder ETF-Ownership noch der Sekundärhandel negative Auswirkungen auf die Preisbildung der enthaltenen Anleihen.

 

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