Biotechnologie als geopolitischer Faktor
Die strategische Bedeutung von Biotechnologie im globalen Wettbewerb nimmt stetig zu, zeigt eine umfangreiche Analyse von Lazard Asset Management. Sie belegt, wie geopolitische, wirtschaftliche und technologische Interessen die Dynamik dieses Sektors prägen. Biotechnologie wird zu einem zentralen Feld geopolitischer Rivalität, insbesondere zwischen den USA, China und der EU.
China dominiert in mehreren Biotech-Kategorien, etwa bei synthetischer Biologie, Genomsequenzierung und Biomanufacturing, während die USA in forschungsintensiven Bereichen wie innovativen Life-Science-Therapien und High-End-Laborgeräten führend sind. Die EU weist eine breite, aber weniger spezialisierte Position auf. Diese Konzentrationen erhöhen die politische Sensibilität für Abhängigkeiten in globalen Lieferketten.

Quelle: Lazard
Auch die Kapitalflüsse verdeutlichen die strategische Aufwertung des Sektors. Biotechnologie gehörte 2024 zu den wichtigsten Zielen ausländischer Direktinvestitionen (FDI) weltweit. Die Investitionsströme stammen überwiegend aus den USA, der EU, Japan und China und fließen vor allem in diese drei Regionen zurück. Dabei haben sich die Beweggründe für FDI deutlich verändert: Während früher ökonomische Faktoren dominierten, stehen heute geopolitische und technologische Überlegungen im Vordergrund.

Quelle: Lazard
Zudem nehmen grenzüberschreitende Transaktionen im Biopharmasektor zu, insbesondere durch internationale Investoren, die chinesische Unternehmen und Assets erwerben. Umgekehrt agieren chinesische Firmen im Ausland zurückhaltender. Die Kontrolle über geistiges Eigentum, Daten und Produktionskapazitäten wird zunehmend zu einem geopolitischen Machtfaktor.
Unternehmen wird empfohlen, geopolitische Risiken systematisch in ihre Strategie einzubeziehen. Dazu gehören die Diversifizierung von Lieferketten, der Schutz von geistigem Eigentum und Dateninfrastruktur sowie eine enge Abstimmung mit Regierungen bei regulatorischen und sicherheitspolitischen Themen. Unternehmen sollten ihre Standorte, Partnerschaften und Forschungsaktivitäten stärker unter geopolitischen Gesichtspunkten ausrichten, um in einem zunehmend politisierten Umfeld handlungsfähig zu bleiben.
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