Auswirkung von Länderratings auf Unternehmen
Ein Anfang Mai veröffentlichter Credit Research Report der Landesbank Baden-Württemberg untersucht die Bedeutung von Staatenratings für Unternehmen in der Eurozone. Nach der Insolvenz von Lehman Brothers kam es zu einer Ausweitung der Spreads auf dem gesamten Markt. Seit Januar 2010 allerdings hat die Schuldenkrise zu einer deutlichen Abkopplung von Kern- und Peripherie-Corporates in Europa geführt. Auch die klassische Marktbetrachtung von Corporates und Sovereigns kehrte sich im Januar 2010 um. Seitdem notieren die CDS von Corporates deutlich unter dem Niveau von Staaten.
Quelle: LBBW (2012)
Die Ratingagenturen verwenden das Staatenrating aufgrund der wirtschaftlichen und ökonomischen Zusammenhänge gewöhnlich als Obergrenze für Unternehmensratings im selben Hoheitsgebiet. Im Zuge der Schuldenkrise haben alle Agenturen diese Methodologie jedoch aufgeweicht, sodass ein Unternehmen unter Umständen ein besseres Rating als "sein" Staat bekommen kann. S&P berücksichtigt beispielsweise den Anteil der im Inland erzielten Absatzerlöse sowie die Abhängigkeit des Sektors von Staatsrisiko. So weist der Versorgersektor traditionell eine hohe Korrelation zu Staatsrisiken auf, da es unmöglich erscheint, seine Assets ins Ausland zu verlagern. Exportorientierte Branchen dagegen besitzen eine geringe Abhängigkeit vom Staatsrisiko. Abhängig vom Exposure zum Länderrisiko kann das Unternehmensrating damit einige Stufen über dem Staatsrating liegen.
Quelle: LBBW (2012)
Dazu präsentiert der Report noch drei Worst-Case Szenarien von Fitch Ratings. Dort werden die Auswirkungen eines geordneten Defaults, eines ungeordneten Defaults und eines ungeordneten Defaults mit Euro-Austritt auf die Unternehmensratings aus Peripheriestaaten untersucht. Hier zeigt sich, dass der Versorgersektor stärker als andere Sektoren betroffen ist. Erstens steigt im Krisenfall die Gefahr politischer Einflussnahme und zweitens sind Versorger oftmals zu stark lokal orientiert und zu wenig diversifiziert.